PATRICKBRÖCKER

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Making Of von „Das Foto“

Für Gerne-Leser und Wissen-Woller

 

Im letzten November saß ich im Regionalzug nach Eckernförde, als mir plötzlich einfiel, dass ich neulich etwas vom OSBORNE-KURZFILMFESTIVAL gelesen hatte. Da Dreharbeiten für einen anderen Kurzfilm vor mir lagen (für den ich mich an diesem Tag mit einem befreundeten Filmemacher treffen wollte), habe ich den Wettbewerb nicht weiter verfolgt. Der Einsendeschluss war schon am 31. Dezember und einen weiteren Film in Angriff zu nehmen, schien mir unmöglich. Doch noch während der Fahrt hatte ich auf einmal diese Figur vor Augen: Ein Mittdreißiger in Pullunder und Cordhose, der davon träumt, ein Torero zu sein. Ich dachte daran, wie ich als Kind die Reisen mit meinen Eltern nach Spanien geliebt habe. Wir fuhren stets mit dem Auto – 2000 Kilometer von Hamburg nach Valencia. Sobald ich die erste „El Toro“-Figur auf den Hügeln neben der Autobahn entdeckt hatte, war ich immer völlig aufgeregt. Ich wusste: Jetzt sind wir in Spanien! Am Urlaubsort angekommen, hoffte ich darauf, einmal einen Torero zu sehen. Den bekam ich zwar nie zu Gesicht - dafür erlebte ich aber spanische Wochen, die sich bis heute in mein Gedächnis eingebrannt haben. Alles roch so gut, alles sah so gut aus und es war so warm ... In Spanien erlebte ich einige der glücklichsten Kindertage überhaupt. Zeiten, in denen man noch voller Träume war und ganz genau wusste, was man später einmal sein wird: U-Bahn-Fahrer, Schauspieler oder vielleicht Torero …

 

Wegen des scheußlichen Wetters im Dezember wurde der Dreh für den anderen Film schließlich verschoben. Ich kramte die Notizen von der Bahnfahrt nach Eckernförde wieder hervor und spann die Geschichte weiter.

Ich wollte meinen Protagonisten auf eine kleine Reise schicken, die ihn aus dem Alltag ausbrechen lässt. Er sollte ein bisschen tollpatschig sein, ein bisschen bieder, aber doch liebenswert. So zeichnete ich seine Figur mit einem gewissen Augenzwinkern und gab ihm den Namen „Herr Hansen“. Damit versteckte ich den Darsteller in einer fiktiven Person, damit ich nicht mich selber spielen musste. Der autobiographische Hintergrund war ja ohnehin gegeben und schließlich hieß das Wettbewerbsmotto: Der Stier in mir! Dem wollte ich so nahe kommen wie möglich.

 

Ein Gedanke quälte mich: Mein derzeitiger Mangel an technischen Möglichkeiten. Ich hatte nur meine Videokamera zur Hand und ein Schnittprogramm, das alle fünf Minuten abstürzte. Zwar hatte mir eine Berlinale-Kuratorin einmal gesagt, dass es darauf bei Kurzfilmen nicht ankäme. Aber später sah ich, dass alle eingereichten Filme in HD hochgeladen waren – außer meiner. Allerdings sah ich auch, dass viele Einreichungen über das Ziel hinausschossen oder den Arbeiten fanfarendröhnende Intros á la Hollywood vorangesetzt waren. Okay, dachte ich - das ist die Youtube-Generation und das, was sie für Kurzfilm hält - und war wieder ganz zufrieden mit meiner Art und Weise. Den im Grunde liebe ich Filmbilder, die ein bisschen unperfekt sind. Dreckig, meinetwegen und wie hingerotzt  - aber warm und authentisch. Die glasklare Kälte, welche z.B. die heutigen HD-Flachbildschirme von sich geben, ist mir manchmal etwas unangenehm. So ist in mir inzwischen sogar die Idee gewachsen, mir eine alte Super8-Kamera zuzulegen, deren Bilder so wunderbar bodenständig wirken.

 

Tipps für die wahrscheinlich nominierten Filme hatte ich schnell parat. Denn unter den Einsendungen gab es auch einige Perlen, die verdient gewinnen würden. Ich beschloss, meinen kleinen Film in mein Herz zu schließen und den eigentlichen Wettbewerb erst einmal zu vergessen.

 

Zurück zu den Dreharbeiten im Dezember: Da gerade jetzt ein Berg an Arbeit auf meinem Freiberufler-Tisch landete, wurde die Zeit extrem knapp. Ich wollte den Dreh absagen, obwohl ich schon viele Stunden in Drehbuch, Requisite und Location-Suche investiert hatte. Ich löste das Ganze, indem ich einfach komplett in die Rolle des Herrn Hansen schlüpfte und die Dreharbeiten chronologisch in den Alltag einfließen ließ. Für einige Tage lebte ich quasi nach Drehbuch und ließ die Kamera einfach draufhalten. Wobei sich die Rolle beinahe verselbstständigte. Vom Aussägen des Stiers, über den Gang zum Friseur bis hin zu einem vergnüglichen Nachmittag auf dem Deich: Ich lebte die Rolle. Die Schlussszenen auf dem Deich brachten übrigens besonders lustige Anekdoten mit sich. Die Sonntagsspaziergänger wunderten sich reichlich über den Torero, der mit einem Stier unter dem Arm den Deich entlang düste.

 

Schließlich war Drehschluss und der Schnitt begann. Mein „Director´s Cut“ war fast 16 Minuten lang. Eingereicht werden durften aber nur Videos bis maximal 10 Minuten Länge. Ich hatte es schon vor Weihnachten geahnt: Erst am Silvesterabend war die Finalversion fertig und ich konnte den Film gerade noch rechtzeitig einreichen. Danach fiel ich ins Delirium und verbrachte den Jahreswechsel und die folgenden Tage als grippekrankes Häufchen Elend.

 

Ich habe inzwischen acht (Berufs-) Künstlerjahre hinter mir - und habe in den vergangenen 36 Monaten auch endlich wieder an meine große Liebe (Film) anknüpfen können. Mehr oder weniger eben ... „Das Foto“ ist definitiv eine der Arbeiten, bei denen ich am meisten gelernt habe und die mich persönlich (und auch ein paar andere) am glücklichsten gemacht haben. Von Abspann bis zum Soundtrack habe ich mich hier intensiv und mit Herzblut um jedes noch so kleine Detail gekümmert. Wenn nun die ersten Töne der Anfangsmusik erklingen, formieren sich meine Unterarm-Haare augenblicklich zu einer anständigen Gänsehaut. Denn man denkt sofort an die verrückten Dreharbeiten zurück und an die Message, die hinter dem Film steckt (oder versteckt ist). Ohne die vielen Helfer läge das Drehbuch allerdings heute noch in der Schublade. Ich danke Euch!

 

Ich hoffe, der tiefere Einblick war für Interessierte lesenswert. Und vielleicht konnte sich der ein oder andere Kurzfilmemacher in manchen Episoden wiedererkennen.

 

Bis dahin – macht Filme!

 

Cariñosos saludos,

 

Patrick

 

 

 

 

 

 

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